Grüne Berge
Bergsteigerdörfer: Suchen und Finden des Echten
In den Bergsteigerdörfern Österreichs findet man einen fast altmodischen Tourismus. Ohne Skischaukeln und Lärm. Dafür Platz für Skitouren, Bergsteigen und Mountainbiken in einer guten aber nachhaltigen Infrastruktur.
Bestimmt 2000 Kilometer legte Roland Kals zurück, als er sich auf den Weg machte, noch echte österreichische Dörfer zu finden. Dörfer, deren Einfahrtsstraße nicht von Billa, Lidl oder XXXLutz-Optik diktiert wurden, Dörfer, die sich nicht auf Teufel komm raus an gigantische Skischaukeln anschließen ließen, Dörfer, die nicht von alten Bau- oder Landschaftssünden geplagt wurden. Er war sich nicht sicher, ob er solche authentische Schätze überhaupt finden würde - und war überrascht, dass es sie doch noch gab: echte österreichische Dörfer, die den Tourismus auf eine fast altmodische, heute vielgeschätzte Art und Weise lebten.
Diese Dörfer, 17 sind es seit 2008, dürfen sich offiziell Bergsteigerdörfer nennen. Sie sollen dem sanften, dem nachhaltigen Tourismus ein Gesicht geben, der als Kontrapunkt zur ständigen, beschallten Berggaudi immer stärker gesucht wird. Von Familien, von Paaren, von kleinen Gruppen, die eines gemeinsam haben: Gerne in den Bergen sein, gerne auf den Bergen sein und sich dabei in einer authentischen Gegend mit ehrlicher Gastlichkeit trotz professioneller Bergsteigerangebote gut fühlen wollen. Ins Leben gerufen wurden diese Initiative vom Oesterreichischen Alpenverein, der sich auch um die Instandhaltung der Wege und der Schutzhäuser in den Regionen kümmert.
In fast allen Bundesländern Österreichs wurde Roland Kals fündig. Dabei hatte der Geograph und Geschäftsführer der Salzburger Sektion des Alpenvereins scharfe Kriterien für die Aufnahme in diesen Bund entwickelt. Das Dorf darf nur ca. 2500 Einwohner haben, eine intakte Infrastruktur und eine gute Bandbreite von "Beherbergungsbetrieben". Riesenhotels haben ausgedient, die will man nicht. Die so genannten Partnerbetriebe sollten auch ihre Produkte möglichst natürlich und lokal bzw. regional beziehen.
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Natürlich müssen gute, ausgebaute und gepflegte Wanderwege ebenso vorhanden sein wie ausreichend Schutzhütten. Kleinere Seilbahnen und Sessellifte sind nur dann erlaubt, wenn sie weit unterhalb des Gipfels enden. Und eines ist wichtig: Platz für Naturgeräusche! Kein Autobahn- oder Schnellstraßenlärm, keine Belästigung durch Flugzeuge oder Hubschrauber (außer zur Rettung oder Versorgung), kein Motocross- oder ähnliches Gedröhne. Selbst das Auto der Gäste sollte verzichtbar sein, denn Bahn oder Bus bringen auch an Wochenenden die Gäste zu ihrer Herberge. Einige Dörfer haben eine Art Taxidienst entwickelt, um die Wandersleut' nach erfolgreicher Besteigung oder Talüberschreitung wieder einzusammeln.
Zu diesen Bergsteigerdörfern gehört die Steirische Krakau. Die drei kleine Dörfer liegen zwischen 1100 und 1500 Meter Höhe im Hochtal "Steirische Krakau" südllich der Schladminger Alpen. Nur 1500 Einwohner verteilen sich in diesem lieblichen Tal, das von bis zu 2700 Meter hohen Berggipfeln umgeben ist. Sonnenreich soll es sein und niederschlagsarm, im Winter mit viel Schnee und wenig Nebel. Gerade für Skitourengeher ist die Steirische Krakau im Winter ein kleines Paradies. Denn Lifte gibt es keine, "nur" Tourenvorschläge auf die Gipfel, die entsprechend nach Schwierigkeitsgrad bewertet sind.
Damit der nachhaltige Ansatz auch bei dem inzwischen doch hin und wieder umstrittenen Tourengehern bestehen bleibt, gibt es Tourenkarten, die auch die Schutzzonen von Hochwild und gefährliche Lagen ausgewiesen haben. Nur mutwillig könnte man also in gefährdetes oder geschützes Gelände eindringen. Aber für jene Klientel scheinen die Bergsteigerdörfer, so die Initiatoren, wenig interessant zu sein.
Roland Kals ist recht zufrieden mit dem Projekt. "So bekommen wir die unverbauten Dörfer, die lange Zeit im Schatten der großen Tourismuszentren standen, aus dem Dornröschenschlaf heraus und die Menschen, die das Ruhige, Natürliche an den Bergen suchen, zu diesen Bergsteigerdörfern hin." _ Text: Birgitt Hölzel - Fotos: Roland Kals; TVB Großarl; Archiv Ginzling;
Die Bergsteigerdörfer im Überblick:
| Großes Walsertal (Vorarlberg) | Malnitz (Kärnten) |
| Vent im Ötztal (Tirol) | Malta (Kärnten) |
| Ginzling (Tirol) | Tiroler Gailtal (Osttirol) |
| Hüttschlag im Großarltal (Salzb. Land) | Villgratental (Osttirol) |
| Weißbach bei Lofer (Salzburger Land) | Kals am Großglockner (Osttirol) |
| Grünau im Almtal (Oberösterreich) | Lesachtal (Osttirol) |
| Steinbach am Attasee (Oberösterreich) | Reichenau an der Rax (Niederösterreich) |
| Johnsbach im Gesäuse (Steiermark) | Lunz am See (Niederösterreich) |
| Steirische Krakau (Steiermark) |
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